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| BfR-Stellungnahme: Nicht gestillte Säuglinge mit häufigem oder... | 2026.06.29
| ...langanhaltendem Durchfall benötigen in der Regel keine Spezialnahrung
Am 26. Juni 2026 veröffentlichte das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) eine Stellungnahme mit dem Titel: Nicht gestillte Säuglinge mit häufigem oder langanhaltendem Durchfall benötigen in der Regel keine Spezialnahrung. Der ganze Text ist auch unter www.bfr.bund.de abrufbar. Hier die gekürzte Fassung:
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) wurde um Stellungnahme zu der Frage gebeten, ob bei nicht oder teilgestillten Säuglingen mit häufigem oder langanhaltendem Durchfall eine Diätmanagement in Form einer speziell zusammengesetzten Säuglingsnahrung erforderlich ist und falls ja, wie ein solches Erzeugnis in Bezug auf seine Makronährstoffgehalte formuliert sein müsste, um den Anforderungen des Artikels 2 Absatz 2 der delegierten Verordnung (EU) 2016/128 zu entsprechen.
Säuglingsnahrungen, die zum Diätmanagement bei häufigem oder langanhaltendem Durchfall bei Säuglingen konzipiert sind, befinden sich als Lebensmittel für besondere medizinische Zwecke mit abweichender Zusammensetzung von den für übliche Säuglingsnahrungen geltenden Vorschriften der Delegierten Verordnung (EU) 2016/127 im Verkehr. So gibt es beispielweise Produkte mit einem erhöhten Protein- oder Stärkegehalt oder einem reduzierten Laktosegehalt.
Bezogen auf einen erhöhten Proteingehalt wurden dem BfR drei Publikationen zur Bewertung vorgelegt (Jackson 1993; Mann et al., 1982; Roediger 1986). Darüber hinaus wurden für die Stellungnahme eine Literaturrecherche in wissenschaftlichen Datenbanken durchgeführt und insbesondere medizinische Leitlinien zum Management gastrointestinaler Beschwerden bei Säuglingen sowie Stellungnahmen/Konsensuspapiere von medizinischen Fachgesellschaften zum Einsatz von Spezialnahrungen bei Säuglingen herangezogen.
Aus Sicht des BfR gibt es keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass für nicht oder teilgestillte Säuglinge mit häufigem oder langanhaltendem Durchfall ein besonderes Diätmanagement angezeigt wäre. Insbesondere fehlt wissenschaftliche Evidenz dafür, dass Säuglinge mit den genannten Symptomen eine spezielle Säuglingsnahrung mit einer abweichenden Zusammensetzung von üblicher Säuglingsnahrung benötigen.
Stattdessen sollte bei Säuglingen mit heftigem akutem Durchfall sowie bei häufigem oder anhaltendem Durchfall kinderärztlicher Rat eingeholt werden, insbesondere aufgrund des Risikos einer Dehydratation. Unabhängig von einer möglichen Rehydrationsbehandlung, sollen Säuglinge auch bei Durchfall ihre gewohnte Ernährung (Muttermilch, gewöhnliche Säuglingsnahrung und/oder Beikost) erhalten.
Insbesondere bei einer Durchfalldauer von mehr als 14 Tagen ist eine weitere Abklärung zur Diagnostik bzw. zum Ausschluss von persistierenden Infektionen oder Reinfektionen oder anderer Grunderkrankungen wie einer Kuhmilcheiweissallergie, Kohlenhydrat-Malabsorption, primärer Laktoseintoleranz, Zöliakie oder chronischen Magen-Darm-Erkrankungen (chronisch entzündliche Darmerkrankungen) erforderlich, bei denen Durchfall ein Hauptsymptom sein kann. Die in diesen Fällen notwendigen Ernährungsmassnahmen sind also individuell - in Abhängigkeit von der zugrunde liegenden Ursache und von der klinischen und biochemischen Beurteilung - zu treffen.
(Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist eine wissenschaftlich unabhängige Einrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Es berät die Bundesregierung und die Bundesländer zu Fragen der Lebensmittel-, Chemikalien- und Produktsicherheit. Das BfR betreibt eigene Forschung zu Themen, die in engem Zusammenhang mit seinen Bewertungsaufgaben stehen.) ..
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